Orte der Erinnerung

Was finden Sie in unserem Wegweiser?

Wir machen Sie vertraut mit sehr unterschiedlichen Orten: mit einer Gedenkstätte, mit Denkmälern, Gedenkplatten, Gräbern, Trauerorten, „Stolpersteinen", Inschriften, Stadttafeln und Straßenschildern. Aufgenommen wurden Erinnerungsorte aus der Region Hannover, die sich lokalisieren lassen und öffentlich zugänglich sind. Das, was tatsächlich geschehen ist, können Orte allein nicht erzählen. Wir möchten Sie mit dem Wegweiser einladen, sich den historischen Ereignissen zu nähern - und vielleicht weiter zu forschen.

Wir stellen Ihnen Orte vor, die von Gewalt und Terror des NS-Regimes erzählen, wenn wir uns näher mit ihnen beschäftigen. Orte, die von Menschen erzählen, die hier gelebt haben: Menschen, die Opfer von Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung in der Region Hannover geworden sind. Menschen, die wir durch Gewalt und Terror verloren haben. Die Orte können Ausgangspunkte sein, um weiter zu fragen: Wie konnte das geschehen? Wer war dafür verantwortlich? Warum halfen nur verschwindend Wenige? Die Orte können dazu einladen, sich an Menschen zu erinnern, die gedelmütigt, geschunden oder ermordet wurden. Viele von ihnen entstammten Familien, die seit Generationen in den Gemeinden der Region ansässig waren. Andere wurden aus ihren besetzten Heimatländern hierher als Arbeitssklaven verschleppt. Oder waren zwar hier geboren, hatten aber als Kinder von „Ostarbeiterinnen" meist nur Tage oder Wochen zu leben.

Meistens sind es bestimmte Schwerpunkte der Auseinandersetzung, wie die Verfolgung von Juden oder die Geschichte des Arbeiterwiderstands, die dazu führten, dass Bürgerinnen und Bürger einen Ort der Erinnerung gestaltet haben. Wir möchten auch an Menschen erinnern, die (noch) keinen Ort in der Region Hannover haben, an dem ihrer gedacht wird. Sie finden dazu Hinweise zum historischen Hintergrund - vielleicht nehmen Sie es als einen Denkanstoß, um aktiv zu werden.

Dieser Wegweiser legt den Schwerpunkt auf die Erinnerung an Menschen, die Opfer von Gewalt und Verfolgung während der NS-Herrschaft wurden. Kriegsgräberstätten und das Gedenken an zivile Bombenopfer haben wir in der Regel nicht aufgenommen. Ausnahmen sind der zentrale Gedenkort der Stadt Hannover, die Ruine der Aegidienkirche, und ein Hinweis auf den Hannover War Cemetery. Ebenso berücksichtigt wurde das Gedenken an ermordete deutsche Deserteure der Wehrmacht.

Besonderes Gewicht kommt, als zentralem Gedenkort der Region, der Gedenkstätte Ahlem zu. Sie ist - buchstäblich - ein einmaliger Ort deutsch-jüdischer Geschichte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts als jüdisches Reformprojekt zur Erweiterung der Berufsausbildung um landwirtschaftliche und handwerkliche Fächer gegründet, endete die Schule als „Judenhaus", Deportationslager, Außenstelle der Hannoveraner Gestapo mit angeschlossenem Gefängnis. Der historischen Bedeutung des Ortes soll nun endlich Rechnung getragen werden: Im Auftrag der Region Hannover arbeitet derzeit ein Team von WissenschaftlerInnen an einem Gesamtkonzept zum Ausbau der Gedenkstätte.

Denkmale wie das Denkmal am Brinker Hafen in Hannover oder die Eichenstele in Burgwedel informieren über die Geschichte der Opfer und berichten gleichzeitig von der Erinnerung der Nachgeborenen. Ob Gedenkplatten, Inschriften oder Denkmäler- die Erinnerungsorte spiegeln das historische Geschehen an Orten wider, an denen Menschen aktiv geworden sind und sich bewusst mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandergesetzt haben. Gleichzeitig zeigt sich an ihrer Gestaltung die Entwicklung der Erinnerungsarbeit in den wechselnden Epochen der Bundesrepublik.