Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
Heisterbergallee 10
30453 Hannover-Ahlem
Telefon: 0511 47 39 76 98
E-Mail: fv.ged.ahlem@t-online.de
Bild 64: Denkmal für das KZ-Außenlager Ahlem (Quelle: AxelHH, Wikipedia Commons)
Bild 64: Denkmal für das KZ-Außenlager Ahlem (Quelle: AxelHH, Wikipedia Commons)
Bild 65: Kupferstelen mit Namen der Opfer des KZ Ahlem (Quelle: Michael Pechel)
Bild 65: Kupferstelen mit Namen der Opfer des KZ Ahlem (Quelle: Michael Pechel)
Bild 65a: Häftlinge des KZ Ahlem am Tag nach ihrer Befreiung (Quelle: National Archives and Records Administration, USA)
Bild 65a: Häftlinge des KZ Ahlem am Tag nach ihrer Befreiung (Quelle: National Archives and Records Administration, USA)
Bild 65b: Modell des ehemaligen KZ-Außenlager Ahlem (Quelle: Armin Dmoch, Heisterbergschule)
Bild 65b: Modell des ehemaligen KZ-Außenlager Ahlem (Quelle: Armin Dmoch, Heisterbergschule)
Bild 65d: Informationstafel neben der Gedenkstätte KZ Ahlem (Quelle: Michael Pechel)
Bild 65d: Informationstafel neben der Gedenkstätte KZ Ahlem (Quelle: Michael Pechel)

Mahnmal KZ-Außenlager Ahlem

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Mahnmal KZ-Außenlager Ahlem
Am Mahnmal

Angesichts der alliierten Lufthoheit über Deutschland wurde in der letzten Kriegsphase verstärkt versucht, wichtige Rüstungsbetriebe bombensicher in unterirdische Stollen zu verlagern. In Hannover-Ahlem sollte ein ehemaliges und inzwischen unter Wasser stehendes System von Asphaltstollen für Produktionsanlagen der ehemaligen Continental Gummi-Werke und der Maschinenfabrik Niedersachsen Hannover (MNH) hergerichtet werden. Ende November 1944 wurden deshalb etwa 940 jüdische Häftlinge überwiegend polnischer Nationalität aus dem KZ-Außenlager Stöcken-Continental in das neue Lager Ahlem verlegt. Sein Kommandant wurde der bekannte Fußballspieler des Hamburger Sportvereins HSV Otto Fritz "Tull" Harder (1892-1956).

In zwölfstündigen Tages- und Nachtschichten mussten mit Hämmern und Spitzhacken die Gänge erweitert werden. Unmenschliche Arbeitsbedingungen in den nassen Stollen und ständige Schläge und Misshandlungen durch SS und ‚Kapos’ führten zu einer hohen Kranken- und Todesrate. Bereits im Dezember 1944 war die Zahl der Arbeitsunfähigen derart angestiegen, dass im Januar des folgenden Jahres 250 bis 350 kranke Häftlinge in das Hauptlager Neuengamme zurückverlegt wurden – ein fast sicheres Todesurteil. Sie wurden kurz darauf durch sowjetische, dänische, polnische sowie französische Häftlinge aus Neuengamme ersetzt. Am 28. März 1945 brachte die SS zudem 200 bis 250 überwiegend ungarische Juden aus dem KZ-Außenlager Hildesheim nach Ahlem.

Insgesamt waren etwa 1.500 Häftlinge im KZ-Außenlager Ahlem eingesetzt. In den fünf Monaten seines Bestehens starben nach bisherigen Erkenntnissen etwa 750 Menschen.

Zur Produktionsaufnahme in der unterirdischen Anlage kam es nicht mehr. Die ‚marschfähigen’ Gefangenen wurden am 6. April 1945 auf einem Todesmarsch in das KZ Bergen-Belsen getrieben, während die ca. 200 als krank Zurückgelassenen am 10. April von amerikanischen Truppen befreit wurden – unter den Soldaten war auch der spätere Außenminister Henry Kissinger.

Seit dem Jahre 1987 setzt sich der Arbeitskreis ‚Bürger gestalten ein Mahnmal' für eine würdige Gestaltung am Ort des Ahlemer Außenlagers ein. Dieses Bürgerprojekt wurde vom Kulturamt der Stadt Hannover in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden und weiteren öffentlichen Einrichtungen unterstützt. Das in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Lagergelände realisierte Mahnmal wurde am 4. Februar 1994 eingeweiht und symbolisiert den Eingang zum Stollen. Es wurde 2001 durch zwei von Berufsschülern der BBS 3 Hannover geschaffene Kupferstelen mit 299 Namen von Opfern des KZ Ahlem ergänzt. Die Entstehung des Denkmals ist in einem Buch dokumentiert worden.

Wenige Fundamentreste des ehemaligen Lagers befinden sich heute auf Privatbesitz neben dem Mahnmal. Sie sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Um das Gedächtnis an das Konzentrationslager zu erhalten, warb der Arbeitskreis ‚Bürger gestalten ein Mahnmal' Spenden für den Bau eines Lagermodells ein. Der Architekt Matthias Düsterhöft und der Modellbauer Uwe Strahl haben für den Arbeitskreis dieses Modell im Maßstab 1:200 angefertigt. Düsterhöft war dafür eigens nach Israel gereist und hatte mit Überlebenden über ihr Schicksal und das Aussehen des Lagers gesprochen. Das Modell wurde am 65. Jahrestag der Befreiung des KZ Ahlem am 10. April 2010 während einer Feierstunde in der Heisterbergschule der Öffentlichkeit übergeben. Seinen endgültigen Platz soll es in der neugestalteten Gedenkstätte Ahlem finden.

Am 10. April 2000 übernahm die nahe gelegene ehemalige Hauptschule Ahlem die Patenschaft für das KZ-Mahnmal Hannover-Ahlem. Sie wurde für ihre engagierte Erinnerungsarbeit mehrfach ausgezeichnet. Im Jahre 2005 entstand ein Gedenkbuch, in dem Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte Seiten mit den Namen von Opfern des Konzentrationslagers gestaltet haben. Die 2008 neu gegründete Haupt- und Realschule Ahlem, die seit März 2009 den Namen Heisterbergschule trägt, übernahm am 8. Mai 2009 in einer Feierstunde diese Patenschaft. Am 13. September 2011 wurde im Beisein eines Überlebenden des KZ Ahlem,  Chaim Liss,  eine Informationstafel der Landeshauptstadt Hannover an die Öffentlichkeit übergeben.

Die oben abgebildete Fotografie der befreiten Häftlinge des KZ Ahlem wird auf einer Seite des United States Holocaust Memorial Museum USHMM dokumentiert: Link

Informationen zu den Außenlagern des KZ Neuengamme: Link

Dokumentarfilm über die Befreiung des KZ Ahlem (1,24 Min. ohne Ton) auf der Seite des Unitad States Holocaust Memorial Museum USHMM (mit Fehlern im Text): Link

Bericht über das Modell des KZ Ahlem in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 12.04.2010: Link

Literatur: 6, 9, 34, 40, 52, 65, 67, 72 Medien: 113

Auf der Karte zu finden unter:

37. Mahnmal KZ-Außenlager Ahlem

Am Mahnmal, 30453 Hannover, ausgehend von der Heisterberg Allee, unmittelbar neben dem Englischen Kriegsgräberfriedhof

Anfahrt: Buslinien 570 Richtung Barsinghausen und 581 Richtung, Mühlenberg, Haltestelle, Velber/Englischer Friedhof

Kontakt:
Bürger gestalten ein Mahnmal
c/o Ruth Gröne
Tel. 0511 48 10 08
E-mail madue[at]web.de

Kontakt:
Haupt- und Realschule Heisterbergschule
Petit Couronne Straße 30, 30453 Hannover
Tel. (0511) 16 83 41 36
E-mail heisterbergschule[at]hannover-stadt.de
www.heisterbergschule.de
Projektseite der Schule: Die Mahnmal-Patenschaft
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Kontakt:
Gegen das Vergessen / NS-Zwangsarbeit e.V.
c/o Büro Dr. Horst Meyer
Bödekerstraße 7
30161 Hannover
E-mail info[at]ns-zwangsarbeit-hannover.de
www.ns-zwangsarbeit-hannover.de
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Bild 65c: Gräberreihen des Hannover War Cemetery (Quelle: Michael Pechel)
Bild 65c: Gräberreihen des Hannover War Cemetery (Quelle: Michael Pechel)

‚Hannover War Cemetery’

Unmittelbar neben dem KZ-Mahnmal Ahlem befindet sich der Alliierte Kriegsgräberfriedhof ‚Hannover War Cemetery’. Der Soldatenfriedhof an der Heisterberg Allee, volkstümlich ‚Englischer Friedhof’ genannt, lautet nach seiner offiziellen Bezeichnung Hannover War Cemetery und Hannover Military Cemetery Limmer. Auf dem 1957 eingerichteten Friedhofsgelände des War Cemetery liegen etwa 2.400 Soldaten aus den Commonwealth-Staaten, die während des Zweiten Weltkriegs fielen. Darunter finden sich viele Angehörige der Royal Air Force, die bei Bombenangriffen auf Deutschland mit ihren Flugzeugen abstürzten oder abgeschossen wurden. Auf dem benachbarten Military Cemetery sind ca. 3.000 Angehörige der britischen Besatzungsmacht beerdigt, die nach dem Krieg starben.

 

Hannover War Cemetery

Wegehinweis wie Denkmal KZ-Ahlem
Hanover War Cemetery (Englischer Friedhof) Seelze
Harenberger Meile, 30926 Seelze (Velber)

Kontakt:
Commonwealth War Graves Commission: Link

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