Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
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Politische Verfolgung und Widerstand

Bereits im Herbst 1931 war als eigenständige Organisation aus Mitgliedern des linken Flügels der SPD und ehemaligen Kommunisten die ‚Sozialistische Arbeiterpartei (SAP)' gegründet worden, die sich gegen die Tolerierungspolitik der SPD und für die Einheitsfront aller Arbeiterorganisationen gegen die Gefahr von Rechts einsetzte. Schon Mitte März 1933 begann sie die illegale Arbeit, schmuggelte im Ausland hergestellte Druckschriften nach Deutschland ein, verteilte heimlich Flugblätter und versuchte den Kontakt mit weiteren Widerstandsgruppen aufzubauen. Kopf der Gruppe im Raum Hannover war mit Otto Brenner der spätere langjährige Vorsitzende der IG Metall.

Eine der deutschlandweit bedeutendsten Widerstandsgruppen bildete sich in Hannover um den Redakteur der Zeitung ‚Volkswille' Werner Blumenberg 19.  Noch vor dem endgültigen Verbot der SPD hatte er die Beendigung der legalen Parteiarbeit gefordert, um nach der Selbstauflösung aus der Illegalität heraus zu kämpfen. Aus Mitgliedern sozialdemokratischer Unterorganisationen formte sich eine Widerstandsgruppe, die sich seit Anfang 1934 ‚Sozialistische Front' nannte. Ihre Monatsschrift ‚Sozialistische Blätter' wurde in einer Auflage von bis zu 450 Exemplaren in Hannover, aber auch mit Fahrradkurieren in das nähere Umland und per Post in zahlreiche Großstädte verbreitet. Weitere Stützpunkte der Sozialistischen Front entstanden in nordwestdeutschen Städten wie Nienburg, Peine, Hildesheim und Magdeburg. Die Untergrundschriften wurden mit einem rechtzeitig aus Partei- oder Gewerkschaftsbeständen geretteten Abzugsapparat an wechselnden Orten in den Stadtteilen Limmer, Linden-Nord und Oberricklingen hergestellt; die technische Herstellung lag bei den beiden hannoverschen Arbeitern Franz Nause und Willy Wendt. Weitere führende Mitglieder waren Wilhelm Bluhm 18 als Leiter der Abteilung Linden-Nord, Friedrich Lohmeyer 9 sowie die Arbeiterin Gustchen Breitzke, die vielfältige Organisationsaufgaben übernahm. Zur Gruppe gehörte bis zu seiner Verhaftung im Jahre 1934 auch der spätere Bundesminister Egon Franke.

Schon früh waren einzelne Mitglieder der ‚Sozialistischen Front‘ aufgespürt und zu teils hohen Zuchthaustrafen verurteilt worden. Der entscheidende Schlag gelang der Gestapo aber erst 1936: 300 Personen wurden verhaftet und über 200 von ihnen in Prozessen vor dem Berliner Volksgerichtshof und dem in Hannover tagenden Oberlandesgericht Hamm verurteilt. Der Leidensweg Gustchen Breitzkes begann nach der Verhaftung mit Verhören in der Gestapo-Zentrale Schlägerstraße und verlief über sechs Wochen Einzelhaft im Polizeigefängnis Hardenbergstraße und dreizehn Monate Untersuchungshaft in einer Einzelzelle des Gerichtsgefängnisses 11 .

Auch gegen die kommunistische Arbeiterbewegung gelangen schnelle und entscheidende Schläge. Die Organisationsstrukturen der nun illegalen KPD wurden immer wieder von Verhaftungsaktionen erschüttert und mussten mühsam neu aufgebaut werden. Hauptschwerpunkt des kommunistischen Widerstands bildeten die hannoverschen Großbetriebe. So informierte beispielsweise die ‚Hanomag-Sirene' über die einsetzende Militärproduktion im bedeutendsten Metallbetrieb der Stadt. Vor dem Haupteingang des Werkes abgeworfene Flugblätter riefen 1934 zur Sabotage der NS-Sammelaktion ‚Winterhilfswerk' auf. Die Produktion und Verteilung von Zeitungen, Flugblättern, Streu- und Klebezetteln war in der Anzahl erstaunlich hoch, brachte aber auch eine erhebliche Gefährdung mit sich. - Bis zum Jahre 1936 war es der politischen Polizei gelungen, nahezu den gesamten organisierten Arbeiterwiderstand in Hannover zu brechen.

Im Bürgertum Hannovers und des Umlandes fanden sich wenige Kräfte zur Verteidigung der Weimarer Republik - von Beginn an eine „Demokratie ohne Demokraten". Die Ergebnisse der letzten Reichstagswahlen bis hin zur Wahl am 5. März 1933 zeigen zum Beispiel in zwei bürgerlich geprägten Stadtteilen Hannovers, Südstadt und List, eine erdrückende Dominanz der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei).

Informationen zu Wilhelm Bluhm auf der Seite des Kulturzentrum Faust: Link

Informationen zu Franz Nause auf der Seite des Kulturzentrum Faust: Link

Informationen zur Verlegung des Stolpersteins für Franz Nause auf Linden entdecken: Link