Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
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Bild 1: NSDAP-Gauleitung Süd-Hannover-Braunschweig in der damaligen Dincklagestraße, 1939 (Quelle: Historisches Museum Hannover)
Bild 1: NSDAP-Gauleitung Süd-Hannover-Braunschweig in der damaligen Dincklagestraße, 1939 (Quelle: Historisches Museum Hannover)
Bild 79: Polizeipräsidium Hardenbergstraße, heutiger Zustand (Quelle: Raimond Reiter)
Bild 79: Polizeipräsidium Hardenbergstraße, heutiger Zustand (Quelle: Raimond Reiter)

Die geheime Staatspolizei (Gestapo)

Die Geheime Staatspolizei "Gestapo" entstand aus der politischen Polizei der Weimarer Zeit, unterschied sich aber von ihr prinzipiell dadurch, dass sie Exekutivbefugnisse hatte, also selbstständig verhaften und verhören konnte. Mit dem auf dem Reichstagsbranderlass beruhenden Instrument der ‚Schutzhaft' verfügte sie außerdem über die Möglichkeit, Häftlinge ohne Gerichtsurteil für unbegrenzte Zeit in ein Konzentrationslager einzuweisen. Die Gestapo wurde dadurch zum zentralen Instrument des Terrors gegen die politischen Gegner des NS-Regimes. Kommunisten, Sozialdemokraten und kleinere sozialistische Gruppen waren daher die ersten Opfer dieses Terrors. In den folgenden Jahren erweiterten sich mehrfach ihre Aufgaben. So erhielt sie nach der Reichspogromnacht 1938 die Zuständigkeit zur Überwachung und Verfolgung der Juden, einschließlich ihrer Deportation in die Ghettos und Vernichtungslager im besetzten Osteuropa ab Herbst 1941. Eine wesentliche Funktionserweiterung brachte schließlich die Zuständigkeit für die Überwachung und gegebenenfalls Bestrafung der ausländischen Zwangsarbeiter, die bis zur 'Sonderbehandlung' (wie die Hinrichtung im Sprachgebrauch der Gestapo hieß) reichen konnte.

Die hannoversche Gestapo war zunächst im Polizeipräsidium in der Hardenbergstraße untergebracht. Sie war bis 1935 für die Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim zuständig. Von 1935 bis 1941 gab es in Hildesheim eine selbstständige Gestapostelle 13 danach wurde sie wieder zur Außenstelle der nunmehrigen Gestapoleitstelle Hannover.

Literatur: 23, 85, 84

Die Nationalsozialisten konnten 1933 auf einen intakten, konservativen, national denkenden Beamtenapparat zurückgreifen und wussten ihn für sich zu nutzen. Der Autor Rüdiger Fleiter schreibt in seiner Untersuchung zur ‚Stadtverwaltung im Dritten Reich' in Hannover:

„Der Regierungspräsident und der Oberbürgermeister, der Oberfinanzpräsident und sein Oberregierungsrat, der Stadtbaurat und der Stadtkämmerer, der Dezernent für Wohnungsangelegenheiten und sein Sachbearbeiter, der Stadtoberinspektor von der Mobilmachungsabteilung und der Verwaltungsrat aus dem städtischen Grundstücksamt, der Landrat und der Gendarmerie-Einzelposten, die städtische Angestellte und der Ratswachtmeister - sie alle waren eingebunden in den städtischen Staats- und Verwaltungsapparat, der penibel und pedantisch seine gewichtige Rolle bei der Diskriminierung und Ausplünderung der Juden in Deutschland spielte. Die hier Genannten sind nur ein kleiner, für die (...) beschriebenen antijüdischen Maßnahmen mitverantwortlicher Teil der Behördenmaschinerie, die die gegen die Juden gerichtete Gesetzgebung auf jeden Fall - wenn auch vielleicht nicht bis in die letzte Konsequenz - kennen musste".
Literatur: 31