Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

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Bild 4: Zeitungsausschnitt „Arbeitsverweigerer...“ (Quelle: Gedenkstätte Neuengamme)
Bild 4: Zeitungsausschnitt ,Arbeitsverweigerer kommt ins ,Kola'' (Quelle: Gedenkstätte Neuengamme)

Soziale Ausgrenzung und Verfolgung

Der Nationalsozialismus entwickelte die Ideologie einer Gesellschaft ohne Kriminalität und sozialer Abweichung auf der Grundlage eines biologistischen Menschenbildes. Die Lehren der Erbgesundheitspflege und Rassenhygiene verlangten die Aussonderung unterschiedlichster Menschengruppen zum ,Schutz der Volksgemeinschaft': ,kriminelle Wiederholungstäter', Bettler, Gelegenheitsarbeiter, Obdachlose, Landfahrer, ledige Mütter mit Kindern unterschiedlicher Väter, Prostituierte, ,Menschen mit unsittlichem Lebenswandel', Alkoholiker und viele mehr. Die Stigmatisierung als ‚asozial' war beliebig, ihre Folgen waren brutal: Einweisung in Arbeitshäuser oder Konzentrationslager, Zwangssterilisierung, ,Ausmerze der Minderwertigen und Ballastexistenzen'.

Bereits im Jahre 1933 fanden spektakuläre Bettlerrazzien statt, die zahlreiche Menschen aus den überfüllten Arbeitshäusern in Konzentrationslager wie Dachau brachte. 1938 begann eine neue und flächendeckende Phase der Verfolgung durch Gestapo und Kriminalpolizei: Während der ‚Aktion Arbeitsscheu Reich' wurden über 10.000 Männer als ‚asozial' in Konzentrationslager eingewiesen. In dieser Zeit bildeten die Gefangenen mit den ‚Schwarzen Winkeln' in Lagern wie Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen die größte Häftlingsgruppe. Aus dem Regierungsbezirk Hannover wurden in der Woche vom 13. bis 18. Juni 1938 - nach amtlichen Unterlagen - „138 Asoziale und 21 Juden in polizeiliche Vorbeugungshaft genommen und dem Konzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg bei Berlin zugeführt".

Die Polizei lieferte bis 1945 insgesamt über 70.000 Menschen als ‚Kriminelle' und ‚Asoziale' in die Konzentrationslager ein; etwa die Hälfte von ihnen wurde dort ermordet. In Hannover erinnert kein Denkmal an diese Opfergruppe.

Literatur: 91, 10, 22