Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

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Samuel Bloch. Quelle: Dr. Samuel Bloch
Chana Bloch mit Tochter Rosa. Quelle: Dr. Samuel Bloch
Franya (Fraidel) Bialystock geb. Bloch. Quelle: Dr. Samuel Bloch
Die Bäckerei in der damaligen Schillerstraße, davor Cilli, Chana und Rosa Bloch. Quelle: Dr. Samuel Bloch
Franyas Kinder Myriam und Martin - Myriam wurde in Auschwitz ermordet, Martin konnte nach England entkommen. Quelle: Dr. Samuel Bloch
Die verlegten Stolpersteine für die Familie Bloch. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover

Familie Bloch

Chana Bloch, geb. Imich
Jg. 1871
deportiert 1941
Riga
tot im KZ Stutthof

Fraidel Bialystock, geb. Bloch
Jg. 1901
Flucht Belgien
deportiert 1942
ermordet in Auschwitz

Rosa Bloch
Jg. 1912
Flucht 1939 Belgien
interniert Mechelen
deportiert
ermordet in Auschwitz

Am Marstall 14 (Mitte)

Geschichte der Familie Bloch - erzählt vom Enkel Dr. Samuel Bloch, Stuttgart:

Meine Großeltern Samuel und Chana Bloch stammten aus Polen. Sie sind im Jahr 1905, mit vier kleinen Kindern (Heinrich 1897, Franya 1901, Joseph 1902 und Zilli 1904) nach Hannover gekommen. In Hannover wurden zwei weitere Kinder geboren (Max 1907 und Rosa 1912).

Samuel Bloch (18.05.1870 - 01.09.1934):

Mein Großvater stammt aus Zarki, ein kleiner Ort nahe der Stadt Czenstochau. Er war 35 Jahre alt, als er nach Hannover kam. Von Beruf aus war er Bäckermeister und Konditor. Seine Wohnung und die Bäckerei befanden sich an der Schillerstraße 41. (Nach heutiger Straßenbenennung entspricht diese Adresse dem Standort „Am Marstall 14"). Im Jahre 1918 wurde mein Großvater Eigentümer des Hauses. Seine Backstube befand sich im Keller- der Backwarenverkauf im Erdgeschoss. Die Familie bewohnte den ersten Stock, darüber befand sich eine vermietete Wohnung. Alle drei Söhne von Samuel Bloch erlernten kaufmännische Berufe, keiner von ihnen ist Bäcker geworden. Samuel Bloch verstarb im Jahre 1934, im Alter von 64 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Hannover-Bothfeld. Er erlebte zwar die Anfangszeit der Naziherrschaft, es blieb ihm jedoch erspart, anders als seiner Frau Chana und zweien seiner Töchter, die viel schlimmere Zeiten danach erleben zu müssen.

Chana (Johanna) Bloch geb. Imich (09.09.1871 - 1941):

Meine Großmutter Chana, für die ein Stolperstein verlegt wurde, stammte aus Czenstochau. Sie war 34 Jahre alt, als sie mit Ihrem Mann und den kleinen Kindern, die jüngste erst 1 Jahr alt, nach Hannover kam. In Hannover bekam sie zwei weitere Kinder und zog somit sechs Kinder auf. Nach Beschreibung von Leuten, die sie in Erinnerung haben, war sie eine äußerst feine Frau, eine gütige liebende Mutter und Großmutter. Als ihr Mann starb, musste sie die Bäckerei und das Haus aufgeben. Ihre Kinder zogen weg und sie blieb ab 1939 als das einzige Mitglied der Familie in Hannover zurück. Die Familie versuchte verzweifelt für sie Einwanderungspapiere zu beschaffen, leider ohne Erfolg. Im Alter von 70 Jahren wurde sie mit dem Ersten Transport der Hannoverschen Juden nach Riga deportiert und später zum KZ Stutthof verschleppt, dort verstarb sie.

Franya (Fraidel) Bialystock geb. Bloch (21.02.1901 - 21.09.1942):

Franya war die älteste Tochter der Familie Bloch. Für sie wurde ebenfalls ein Stolperstein verlegt. Sie war 4 Jahre alt als die Familie nach Hannover kam. Im Jahre 1921 heiratete Franya nach Bremen, ihr Ehemann Heinrich Bialystock betrieb dort ein gut gehendes Herrenbekleidungsgeschäft. Als die Geburt ihres ersten Kindes bevorstand, ist Franya zu ihren Eltern nach Hannover gefahren. Ihr Sohn Martin wurde 1923 im Haus an der Schillerstraße geboren. 1929 bekam Franya ein weiteres Kind, die Tochter Myriam. Im Zuge der verschärften Naziverordnungen musste Heinrich Bialystock Deutschland verlassen und zog zu einem Bruder nach Antwerpen um. Franya führte das Geschäft weiter, bis es in der Reichspogromnacht 1938 zerstört wurde. Franya verließ Deutschland und hielt sich mit ihrem Mann und der kleinen Tochter Myriam in Antwerpen auf. Der Sohn Martin wurde 1940, mit Hilfe einer zionistischen Organisation, im allerletzten Kindertransport, nach Palästina gebracht und dort mit anderen jugendlichen Flüchtlingen aus Europa in einem Kinderdorf untergebracht. Er ist der einzige Überlebende seiner vierköpfigen Familie. Seine Eltern und die dreizehnjährige Schwester warteten auf die erhoffte Ausreise nach Amerika. Dieses gelangte jedoch nicht rechtzeitig, die drei wurden am 21.09.1942 von Antwerpen nach Auschwitz deportiert und sofort nach Ankunft ermordet.

Rosa Bloch (21.02.1912 - 21.09.1942):

Für meine Tante Rosa, geboren 1912 in Hannover, die jüngste Tochter der Familie, wurde ebenfalls ein Stolperstein verlegt. Sie war eine intelligente Frau, hatte jedoch einen Sprachfehler. Es erforderte ein geübtes Ohr um ihre Sprache zu verstehen. Rosa verließ Deutschland gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Franya. Familie Bialystock hatte bereits Papiere für die Auswanderung in die USA, sie wartete darauf, dass auch Rosa die nötigen Dokumente erhielt. Ihre Behinderung machte diese Aufgabe jedoch schwierig. Dann wurde es zu spät, Rosa wurde 1942, zusammen mit den Bialystocks, von Antwerpen nach Auschwitz deportiert und dort, sofort nach der Ankunft, ermordet. Sie war 30 Jahre alt.

Die überlebenden Familienmitglieder der Familie Bloch:

Den drei Söhnen der Familie Bloch (Heinrich, Joseph und Max) und einer Tochter (Zilli) gelang es, nach Palästina zu flüchten. Sie sind dort der Judenverfolgung entkommen.

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