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Stolperstein für Walter Matthes, Am Marstall 18, Hannover-Mitte. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover

Walter Matthes
Jg. 1914
verhaftet 1939
Zuchthaus
"Vorbeugehaft"
tot 9.8.1943

Am Marstall 18 (Mitte)

Walter Mattes wurde am 22. Dezember 1914 in Braunschweig geboren. Als sein Beruf wurde Arbeiter und später Gärtner angegeben. 1935 zog er nach Hannover. Er kam mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt. Nachdem er im März 1939, vermutlich völlig verarmt, aus dem Gefängnis entlassen worden war, begann der nun 24- Jährige gelegentlich als Strichjunge tätig zu sein. Im Juni 1939 zog er zusammen mit einem früheren Freier in eine gemeinsame Wohnung in der Schillerstraße 45, heute Am Marstall 18.

Anfang Juli brachte ihn die Polizei in Untersuchungshaft in das Gerichtsgefängnis Hannover. Im November 1939 wurde er vom Landgericht Hannover wegen Strichjungentätigkeit in sechs Fällen aufgrund § 175a Ziffer 4 StGB zu der empfindlichen Zuchthausstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Als Zeuge in der Verhandlung trat lediglich sein Mitbewohner auf. Warum er die anderen „Verbrechen“ überhaupt eingestanden hatte, obwohl diese Freier nie ermittelt werden konnten, ist nicht bekannt, es dürfte aber an den Verhörmethoden gelegen haben.

Die Kriminalisierung der Strichjungentätigkeit war erst 1935 vom NS-Staat eingeführt worden. Dieses typische NS-Unrecht wurde erst 1969 abgeschafft. Davor wie danach war Strichjungentätigkeit nicht strafbar. Nachfolgend wurde er dann im Zuchthaus Celle seiner Freiheit beraubt. Im November 1942 schrieb die Zuchthausverwaltung in einer Beurteilung für die Kriminalpolizeileitstelle Hannover, die ihren Sitz in der heutigen Polizeidirektion hatte, dass sie „polizeiliche Vorbeugungshaft ... für erforderlich“ halte. Diese ordnete die Kriminalpolizeileitstelle an. Zum Strafende im Januar 1943 wurde er der Polizei übergeben, zwecks Überführung in das Polizeigefängnis Hannover. Vermerkt wurde lakonisch: „kommt nicht zurück“.

Man transportierte ihn in das KZ Neuengamme, wo er die Nummer 19.076 erhielt. Dort starb er am 9. August 1943, angeblich an offener Lungen-TBC, im Alter von nur 28 Jahren.

Text: Rainer Hoffschildt

Hinweise:
• Rainer Hoffschildt: Olivia - die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover. Hannover 1992
• Sichtbare Zeichen für Homosexuelle in Hannover: Straßenbenennung 2006 (nahe ZOB) für Karl Heinrich Ulrichs (28.08.1825, Westerfeld - 14.07.1895 L’Aquila, Italien), ein Vorkämpfer der Homosexuellen-Bewegung.

Informationsblatt des Stadtarchiv (PDF)

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