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Stolpersteine für die Familie Blum - Braun - Rosenbach, Wagenerstraße 17. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover

Familie Blum - Braun - Rosenbach

Berta Blum geb. Rosenbach gesch. Braun
Jg. 1902
deportiert 2.3.1943
tot 10.06.1944 in Auschwitz

Günter Braun
Jg. 1933
deportiert 2.3.1943
tot in Auschwitz

Hedwig Rosenbach
Jg. 1936
deportiert 2.3.1943
tot 20.03.1944 in Auschwitz

Brigitta Braun
Jg. 1934,
deportiert 2.3.1943
tot 24.03.1944 in Auschwitz

Paul Blum
Jg.1937
deportiert 2.3.1943
tot in Auschwitz

Elsa-Vera Braun
Jg. 1935
deportiert 2.3.1943
tot 11.02.1944 in Auschwitz

Berno Blum
Jg. 1939
deportiert 2.3.1943
tot in Auschwitz

Rosemarie Blum
Jg. 1940
deportiert 2.3.1943
tot 13.01.1944 in Auschwitz

Wagenerstraße 17 (Calenberger Neustadt)

Hinweise:
• Erinnerungsstein / Gedenkort für ermordete Sinti und Roma am Bahnhof Fischerhof
• Gedenkort mit Erinnerungstafel im Altwarmbüchener Moor
• „Aus Niedersachsen nach Auschwitz“, Ausstellungskatalog. Bielefeld 2004 (mit
• Erwähnung anderer Familienschicksale)

Information zum Stolperstein für Familie Blum / Braun / Rosenbach

Reichsweite Verhaftungsaktion

Am 1. März 1943 begannen in Hannover die Verhaftungen von Sinti Familien, zunächst im so genannten Sammellager im Altwarmbüchener Moor, dann in der Altstadt und in der Calenberger Neustadt. In einem Erlass im Dezember 1942 hatten die Nationalsozialisten jene reichsweite Verhaftungsaktion gegen „Zigeuner und Zigeunermischlinge“ verfügt, die Anfang März 1943 begann. Am 1. März rollte ein Zug der Reichsbahn über Osnabrück und Minden nach Hannover, am 2. März wurden die Sinti aus Braunschweig und Magdeburg in den Zug gedrängt. Das Ziel war Auschwitz – Birkenau.

Was geschah in der Mittelstraße

Im Haus in der Mittelstraße 5 [heute: Wagenerstraße 17] wohnte Familie Blum. Die Eheleute Kurt und Berta Blum und ihre neun Kinder. Einige Kinder hatte Berta Blum aus ihrer ersten Ehe mit Eugen Braun in die Ehe gebracht. Die älteren Kinder gaben bei ihren Befragungen durch die Polizei und Lagerverwaltung den Namen Blum an. Sie waren eine Familie. Kurt Blum arbeitete im Schaustellerbetrieb seines Vaters und in der Schänke dem Wohnhaus gegenüber spielte er Musik. „Zigeuner“ waren zu dieser Zeit hier bekannt und nicht nur geduldet, insbesondere als Musiker geschätzt. Im Stadtzentrum waren weitere Sintifamilien ansässig. Die Wohnverhältnisse waren extrem beengt. Die Wohnung für die elfköpfige Familie Blum hatte drei Räume. Dies entsprach aber der üblichen Belegung in den kleinen Fachwerkhäusern der Alt- und Neustadt. In der Mittelstraße stehen heute noch zwei dieser Häuser. Im Morgengrauen des 2. März erschienen Polizisten begleitet von bewaffneten Gestapo-Männern und holten die Familie aus der Wohnung. Einige hundert Meter entfernt, im Polizeipräsidium in der Hardenbergstraße, wurden sie erkennungsdienstlich behandelt, d.h. die Namen der Verhafteten wurden noch einmal mit den aus Berlin zugesandten Listen der „Zigeuner und Zigeunermischlinge“ abgeglichen.

Bahnhof Fischerhof

Sie wurden zum Bahnhof Fischerhof nach Linden überstellt, wo der Deportationszug wartete. Mehr als 150 Sinti aus der Altstadt und Neustadt Hannovers, aus Holzminden, Hildesheim und Peine drängte die Polizei in den Zug.

Auschwitz-Birkenau

Sie waren die ersten, die nach mehreren Tagen Fahrt erschöpft das so genannte Zigeunerfamilienlager in Auschwitz-Birkenau erreichten, es bestand aus Lehm und Schlamm. Zäune waren dort, die später elektrisch geladen wurden. Es gab nicht genug Nahrung, Krankheiten breiteten sich aus und schon bald begannen die Kinder zu sterben. Die älteste Tochter von Berta Blum, Daniela Braun [geb. 21. Februar 1928] überlebte als einziges Kind, sie sah ein Geschwister nach dem anderen sterben. Ihren leiblichen Vater Eugen Braun [geb. 2. März 1902] sah sie in den elektrischen Zaun fallen. Auch andere Mitglieder der Familie, Geschwister der Mutter und des Vaters und deren Kinder, waren in diesem Lager und fast alle starben einen langen Tod. Als Berta Blum im Alter von 42 Jahren an Bauchtyphus elendiglich
zugrunde ging (Juni 1944), waren die noch „arbeitsfähigen“ Angehörigen ihrer Familie bereits an
kriegswichtige Arbeitsplätze verbracht worden. Mit dem Vorrücken der Kriegsfront im Osten löste die SS das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau seit Oktober 1944 auf.

„Vernichtung durch Arbeit“

Von den Nationalsozialisten wurde der Einsatz der „arbeitsfähigen Zigeuner“ in der Industrie geplant: Nur jene sollten eine Zeitlang überleben, die für den Ausbau der Rüstungsproduktion nützlich erschienen. Kurt Blum (Jg. 1912), der zweite Ehemann von Berta, überlebte die Schrecken dieses Lagers und das KZ Sachsenhausen.

Ravensbrück

Kurt Blums Stiefkind Daniela wurde in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Die 15jährige galt als „Noch-Arbeitsfähige“. Sie und alle anderen Frauen und Mädchen des Blocks 22 wurden dort Anfang 1944 in einem Massenversuch sterilisiert. „Sie gebärdete sich vor Schmerzen wie wild und war nicht mehr zu beruhigen“ sagten später Zeugen aus.

„Wiedergutmachung“

Nach dem Krieg wurde im Wiedergutmachungsverfahren eine Gesundheitsschädigung der 1945 17-jährigen Daniela durch rassische Verfolgung abgelehnt: Begründung: Ihre „nervöse Übererregbarkeit“ und „seelische Depression“ sei vermutlich auf ein angeborenes Nervenleiden zurück zu führen.

Quellenhinweise

• Meldekartei - Entschädigungsakten Daniela Tönges-Blum und Kurt Blum - Hausbuch Hannover-Mittelstraße.

Informationsblatt des Stadtarchiv Hannover (PDF)

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