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Der verlegte Stolperstein für Herbert Kenneweg. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover
Der verlegte Stolperstein für Herbert Kenneweg. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover

Dr. Herbert Kenneweg
Jg. 1909
Flucht in den Tod
11. 11.1941

Walter-Gieseking-Straße 32 (Südstadt)

Hinweise:
• Rainer Hoffschildt: Olivia - die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover. Hannover 1992
• Sichtbare Zeichen für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in Hannover: Straßennamen.
• Gedenktafel für homosexuellen Zahnarzt. In: HAZ, 15.11.2007, Stadt-Anzeiger Süd, S.1
• Textdokument: Der erhaltene Briefwechsel der Familie Kenneweg lässt die schwierige Situation erahnen, in die Herbert Kenneweg als verfolgter Homosexueller geraten war.

Information zum Stolperstein für Dr. Herbert Kenneweg

Städtische Quellen belegen, dass Herbert Kenneweg am 2. Mai 1941 nach Hannover zugezogen ist. Er wohnte zunächst als Untermieter bei Zahnarzt Dr. Hellmuth Angerstein und seiner Ehefrau Amande Madeleine in der Lavesstraße 27 und verlegte zwei Monate später am 3. Juli seinen Wohnsitz in das schräg gegenüberliegende Haus Nr. 53. Am 1. September 1941 erfolgte seine polizeiliche Abmeldung „zum Militär“. Er diente als Schütze bei der 1. Schützen-Ersatzkompanie 588.

Erstaunlicherweise findet sich Herbert Kennewegs Name in der so genannten Heldenkartei, worin Soldaten aufgenommen wurden, die den „Heldentod im Felde“ gestorben sind. Demnach ist Herbert Kenneweg am 11. November 1941 in Ilten/Hannover einer Schlafmittelvergiftung erlegen. – Auf dem Grundstück des Hauses Lavesstraße 53, heute Walter-Gieseking-Straße 32, errichtete Ende der 1950er Jahre die gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft ein Mehrfamilienhaus. Seine Geburtsstadt Wilhelmshaven hatte Herbert Kenneweg verlassen, wohl um den Nachstellungen wegen Homosexualität dort zu entgehen. Herbert Kennewegs Schwester Herta erwähnt in ihrem Brief vom 8. November 1941 „das Urteil“. Die Gerichtsunterlagen zur Verfolgung Kennewegs durch die Justizbehörden sind bisher nicht ermittelt.

Herbert Kennewegs Schwester Herta, verheiratete Hamann, lebte in Hannover, um den Vater zu pflegen, der in der Wohnung von Herbert Kenneweg lebte. Sie wurde Zeugin der letzten Tage und Stunden Herbert Kennewegs. An ihren Mann schrieb sie:

Hannover, 08.11.1941

Herbert ist aber auch ein Pechvogel! Er hatte schon immer Sorge, wenn seine Truppe [bei der Wehrmacht] erst das Urteil [in Wilhelmshaven gegen Dr. Kenneweg wegen Homosexualität] hat, dass sich noch alles wieder ändern könnte. Heute früh bekam er den Bescheid. Er ist verzweifelt, spricht dauernd davon, daß alles keinen Zweck mehr hat. Nun muß er zu den alten Leuten zurück, alle fragen sie weshalb und warum, wissen es womöglich schon.

Hannover, 09.11.1941

Herbert (...) war verzweifelt und hat diese Nacht in der Praxis, wo er schläft, einen Vergiftungsversuch gemacht. Ich fand ihn heute früh so gegen 1/2 10. Da hatte ich keine Ruhe mehr und ging rüber! Er atmet noch, aber ist ohne Besinnung! Der Arzt war da, wenn er bis heute abend nicht zur Besinnung kommt, muß der Truppenarzt benachrichtigt werden, denn morgen früh um 6 muß er ja in der Kaserne sein. Erfahren die Soldaten von dem Selbstmordversuch, wird er auch noch obendrein schwer bestraft. [An den Rand geschrieben:] Heute Abend ohne Besinnung bei schwachem Atem ins Lazarett gekommen. Der Privatarzt konnte keine weitere Verantwortung übernehmen, weil er ja noch Soldat ist und morgen früh antreten muß! Nun hat er erst recht was!

Hannover, 12.11.1941

(...) Ein trauriger Tag. Denn wir haben doch gerade Herbert am liebsten gehabt. Wenn er auch nie aus sich herauskam, und gerade deshalb, weil er so alleine stand innerlich, hatten wir ihn lieb, Du auch, das weiß ich. Auch da ich noch eine Zeit mit ihm hier so zusammen gelebt habe. Ich kann es noch immer nicht fassen, und ich weiß schon jetzt, dass ich über Herberts Tod schwerer hinwegkommen werde als bei Mutti. Mutti war alt und man wusste, dass sie erlöst war. Aber bei Herbert so mitten aus einem so stilvoll eingerichteten Leben, aus der herrlichen Praxis herausgerissen und das alles aus eigenem Entschluß! (...)

Originalbriefe im Besitz der Familie Kenneweg

Informationsblatt des Stadtarchiv Hannover (PDF)

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