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Der verlegte Stolperstein für Willy Gebel. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover
Der verlegte Stolperstein für Willy Gebel. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover

Willy Gebel
Jg. 1903
hingerichtet im Zuchthaus Brandenburg
30.5.1944

Seelhorststr. 48 (Zoo)

Hinweise:
• Oswald Bindrich, Susanne Römer: Beppo Römer. Ein Leben zwischen Revolution und Nation, Berlin 1991 (Erwähnung von Willy Gebel u.a. S. 51, 57, 249)
• Kerstin Decker: Sie sahen und vergaben, in: Tagesspiegel v. 27.2.2005, Berlin (Artikel zu Walter Gebel und Familie; mehrfache Erwähnung)
• Willy Gebels Name ist im "Ehrenbuch" der im Zuchthaus Brandenburg hingerichteten Männer und Frauen aufgeführt.
• Todesurteil des Volksgerichtshofes vom 24.3.1944 wegen „Feindbegünstigung in Verbindung mit Vorbereitung zum Hochverrat“ (Bundesarchiv)

Information zum Stolperstein für Willy Gebel

Jugend

Willy Gebel wurde am 17. Januar 1903 in München geboren. Nach dem Krieg geriet der Junge in die rechte politische Szene. Er diente zunächst im Zeitfreiwilligen-Regiment München (1919); danach lernte er den jungen Hauptmann Joseph „Beppo“ Römer kennen, Führer des bekannten bayerischen Freicorps „Oberland“, dessen Mitglied Gebel 1921 wurde. In diesem Milieu wurde der noch nicht 20jährige Mitglied der NSDAP (1920-1923) und nahm am „Marsch auf die Feldherrnhalle“ teil.

Neue Orientierung

In den folgenden Jahren distanzierte sich Willy Gebel von der NS-Politik. In der Wirtschaftskrise (1929) überzeugte ihn und die Gruppe um Römer sogar „der Gedanke einer Planwirtschaft und weitgehenden Sozialisierung“, so Gebel in der Vernehmung durch die Gestapo am 2. März 1942. Römer trat der KPD bei, Gebel blieb parteiloser Linker. Nach der spektakulären Verurteilung des zur KPD übergetretenen Reichswehr-Offiziers Richard Scheringer wegen Hochverrats bildeten sich 1931 reichsweit Komitees, die zu seiner Freilassung aufriefen und der wachsenden NS-Propaganda entgegentraten. Willy Gebel arbeitete in diesen Zirkeln mit. Seit 1933 konnten die sog. „Aufbau-Arbeitskreise“ nur noch illegal zusammen kommen. Erneut kreuzten sich Gebels und Beppo Römers Lebenswege: „Willy Gebel hielt über die aktuelle politische Lage und die Entwicklung der Wehrmacht Vorträge im kleinen Kreis“. (S. 51)

Beruf

Gebel arbeitete in der Versicherungsbranche, ab 1937 war er für die Nationalversicherungs AG als Bezirksdirektor in Hannover, seit August 1939 in Leipzig. Ingeborg (Jg. 1903) und er heirateten; 1936 wurde Tochter Ingrid, Juni 1939 Sohn Rainer geboren. Mit der Stelle als Bezirksdirektor war die Familie von München nach Hannover gezogen. Man wohnte zunächst Altenbekenerdamm 26 und zog nach zwei Jahren in das gehobene „Hindenburgviertel“, Seelhorststr. 48. Finanziell ging es der jungen Familie gut.

Untergrund

Gebel nahm ab 26. August 1939 am Polenfeldzug teil, wurde Oberfeldwebel und Kriegsverwaltungsinspektor in Hannover. Als solcher ließ er sich im Juli 1941 nach Leipzig versetzen. Dort arbeitete er als Unterkunftsbeamter im Reservelazarett. – Römer und Gebel erneuerten ihren Kontakt im August 1940; im Herbst begann Gebel in Hannover mit jener Tätigkeit, die zu seiner Verurteilung führte. Römer wollte von Berlin aus die alten Widerstandszirkel neu organisieren. Die Gruppe Römer-Uhrig entstand; in Berlin zählte sie 18, in München sogar 35 Personen. Gebels Rolle ist ungefähr bekannt; er nahm „Verbindung zu Rechtsanwälten in Hannover und zu einer Leipziger Gruppe sowie zu Richard Scheringer“ auf. (S. 57)

Optisch kein „echter Kommunist“

Für verdeckte Aktivitäten war Willy Gebel gut geeignet, denn er war mobil und passte nicht in das Bild eines Nazi-Gegners. Sein Neffe Walter berichtete: „Eigentlich sah der Onkel auch nicht aus wie ein echter Kommunist. Er fuhr mit seinem Auto vor, damals, als noch kaum einer ein Auto hatte. Außerdem hatte der Onkel einen sehr Kommunisten-untypischen Beruf. […] Und nachher im Krieg wurde er Offizier, aber seine Offizierslaufbahn und seine kommunistische Widerstandslaufbahn liefen streng parallel. Die kommunistischen Widerständler hatten eine Zelle in Berlin und eine in München und brauchten öfter mal einen Boten. Das war dann Else“. (Tagesspiegel v. 27.2.2005)

Verhaftung

Anfang Februar 1942 flog die Römer-Uhrig-Gruppe auf. Deutschlandweit wurden rund 200 Personen inhaftiert, darunter auch Willy Gebel, verhaftet am 24. Februar 1942, und seine Schwester Else, die ebenfalls für die Gruppe tätig gewesen war. Else Gebel (1905–1964) wurde in ihrer Haft die Zellengenossin der zum Tode verurteilten Sophie Scholl, hingerichtet als Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Else überlebte in München. In den Filmen „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (2005) und „Fünf letzte Tage“ (1982) erhielt ihre Figur eine zentrale Rolle. Willy Gebels Tochter Ingrid erinnert sich, dass sie als Sechsjährige erleben musste, wie die Gestapo 1942 in die Wohnung kam und nach einer Durchsuchung den Vater mitnahm. Unklar ist, ob die Verhaftung in Hannover oder Leipzig stattfand. Gebel wurde im Gefängnis Plötzensee inhaftiert, wo ihn Frau und Tochter besuchten – für das Kind ein weiteres schockierendes Erlebnis.

Hinrichtung

Nach über zweijähriger Haft verurteilte der Volksgerichtshof am 24. März 1944 den 41jährigen Familienvater wegen „Feindbegünstigung in Verbindung mit Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode. Zwei Monate später, am 30. Mai 1944, kam Willy Gebel in der Hinrichtungsstätte des Zuchthauses Brandenburg-Görden unter das Fallbeil. Willy Gebels Witwe überlebte die letzten Kriegsmonate sowie die Nachkriegszeit gemeinsam mit den beiden kleinen Kindern in Süddeutschland. Der Sohn Rainer starb bereits 1964. Ingeborg Gebel erhielt eine kleine Wiedergutmachungsrente. Sie starb 1984. Die Tochter Ingrid Wasserscheidt, geb. Gebel lebt heute in Hamburg. Sie beantragte die Verlegung eines Stolpersteines für ihren Vater.

Informationsblatt des Stadtarchiv Hannover (PDF)

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