Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
Heisterbergallee 10
30453 Hannover-Ahlem
Telefon: 0511 47 39 76 98
E-Mail: fv.ged.ahlem@t-online.de

Jenny Rosenbaum geb. Jacobowitz
Jg. 1890
deportiert am 15.12.1941 nach Riga
ermordet im April 1944
im Wald von Bikernieki

Hans Rosenbaum
Jg. 1920
ermordet 1940
in Brandenburg/Havel

Vahrenwalder Straße 67 (Vahrenwald)

Hinweise:
• „Mein Herz friert, wenn ich deutsch höre ...“. Aus den Aufzeichnungen von Henny Markiewicz-Simon, geb. Rosenbaum. Hannover 2006 (Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem, Bd. 4)
• Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv, Koblenz 2. Auflage 2006.
• Gedenkort in Hannover mit den Namen der Familie Rosenbaum: Mahnmal an der Oper, errichtet 1994.

Information zum Stolperstein für Familie Rosenbaum

Ludwig (Louis) Rosenbaum aus Warburg in Westfalen (Jg. 1881) und Jenny Jacobowitz (Jg. 1890), geboren in Lautenburg (polnisch: Lidzbark in Westpreußen), heirateten kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges in Hannover. Vater Rosenbaum war Anstreicher, später Malermeister. Nach dem Krieg wurde Sohn Hans (1920) geboren; fünf Jahre später kam Tochter Henny (1925) zur Welt. Hans war geistig behindert. Er lebte in einem Heim in Rotenburg.

Henny Markiewicz-Simon, geb. Rosenbaum, die Tochter von Jenny Rosenbaum, geb. 1926, erinnert sich in ihren Aufzeichnungen:

Wir wohnten am Vahrenwalder Platz. Mein Vater war Malermeister und meine Mutter half ihm im Büro. Wir hatten zwei Lehrlinge und ständig vier Gesellen. (...) Es war ein ganz normales Leben. Wir hatten jüdische und nicht-jüdische Freunde und Bekannte. Als ich drei oder vier Jahre alt war, sandten meine Eltern mich in den Fröbelschen Kindergarten in der Brüderstraße. (...) Anfang der dreißiger Jahre wurde ich Mitglied der Vereinigten Turnerschaften Hannover (VTH). Die Turnhalle war in der Friesenstraße. Später, unter den Nazis, durften wir nicht mehr in die Turnhalle und mussten auch unseren Klubnamen ändern. Jetzt hieß er Jüdische Turnerschaften Hannover (JTH) im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RJF). (...)

Viele Juden waren schon [um 1939] ausgewandert, doch mein Vater sagte immer: ‚Ich habe doch für Deutschland im Ersten Weltkrieg gekämpft, habe sogar das Ehrenkreuz 2. Klasse [sog. Eisernes Kreuz] erhalten. Möglich, dass wir ein bisschen schwerer arbeiten müssen und nicht mehr so eine schöne Wohnung haben werden.’. (...) Meine Mutter versuchte jetzt [nach dem Novemberpogrom] fieberhaft, ein Auswanderungsvisum erst einmal für meinen Vater zu beantragen, egal wohin, nur raus, denn dies war für ihn die einzige Möglichkeit, aus der Haft zu kommen. Mit Unterstützung des jüdischen Hilfsvereins gelang es ihr dann im März 1940, ein Visum für Shanghai, China, für meinen Vater zu erhalten. [Aufzeichnungen, S. 33-37]

Ludwig Rosenbaum konnte im April 1940 nach Shanghai emigrieren. Der 20jährige behinderte Sohn Hans wurde ein Opfer der Euthanasie. Im Zuge der sog. Aktion T4 deportierte man ihn aus Rotenburg nach Wunstorf und von dort mit anderen Behinderten in die Tötungsanstalt Brandenburg, wo er am 27. September 1940 ermordet wurde. Ludwig Rosenbaums Frau Jenny und Tochter Henny wurden im September 1941 zum Umzug in das sog. Judenhaus Ohestraße 9 gezwungen. Anfang Dezember erhielten auch sie Pässe und Visa für Shanghai. Doch am 15. Dezember 1941 gehörten Jenny und Henny Rosenbaum zu jenen 1000 jüdischen Hannoveranern, die vom Bahnhof Fischerhof in das Ghetto Riga deportiert wurden. Nachdem Jenny Rosenbaum dort einen Oberschenkelhalsbruch erlitten hatte, wurde sie bei Riga im Wald von Bikernieki im April 1944 ermordet. Henny überlebte die Schrecken des Ghettos und gelangte 1945 zurück nach Hannover. 1949 wanderte sie mit ihrem Mann Avram Markiewicz in die Vereinigten Staaten aus, wo sie ihren Vater wieder traf, der von Shanghai aus in die USA gelangt war. Ludwig Rosenbaum lebte bis zu seinem Tod 1964 gemeinsam mit dem Schwiegersohn, dem Enkelkind Jenny und Henny, die ihre Erinnerungen aufgezeichnet hat, auf einer Farm in Colcester (USA).

Informationsblatt des Stadtarchiv Hannover (PDF)

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