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„Zur Erinnerung an meine Lehrzeit“, Foto 1925. Rechts unten Alois Schuchardt im Alter von 15 Jahren.
„Zur Erinnerung an meine Lehrzeit“, Foto 1925. Rechts unten Alois Schuchardt im Alter von 15 Jahren
Der verlegte Stolperstein für Alois Schuchardt. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover
Der verlegte Stolperstein für Alois Schuchardt. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover

Alois Schuchardt
Jg. 1910
abgeholt 1940  "Heilanstalt" Wunstorf 
ermordet 14. 5. 1941  in  "Heilanstalt" Hadamar

Am Tiergarten 39 (Misburg-Anderten)

Hinweise:
• Quellen: Stadtarchiv Hannover; Privatbesitz Familie Raba / Familie Schuchardt.

Aus dem Leben von Alois Schuchardt

Alois Schuchardt berichtete den Ärzten in Wunstorf über seinen kurzen Berufsweg. Er arbeitete nach der Gesellenprüfung bis 1929 in seinem Beruf als Schlosser und danach in einer Holzleistenfabrik. Da war er 19 Jahre alt. Noch 1929 brach die Krankheit aus, die in den Akten als "Postencephalitis" bezeichnet wurde. Die Symptome seiner Krankheit waren Schütteln des linken Armes, in den Akten als Schütteltremor bezeichnet. Deswegen war er im Landeskrankenhaus in Göttingen in Behandlung.

Auf dem Arbeitsmarkt fand Alois Schuchardt mit seiner Krankheit und bei den seit 1929 hohen Arbeitslosenzahlen keine Beschäftigung mehr. Er bezog zunächst Arbeitslosenunterstützung und schließlich Wohlfahrtsunterstützung. Er wohnte bei der Familie in der Tiergartenstraße in Anderten, Haus 187 A (heute: Am Tiergarten 39) in der Wohnung seiner Eltern. Im selben Haus wohnte auch seine Schwester, die 1940 einen siebenjährigen Sohn hatte.

Nach einem Familienstreit wurde er Anfang Januar 1940 nach Wunstorf abgeholt. Hier stempelten ihn die Ärzte zum Geisteskranken (siehe Dokumentauszug).

Aus der ärztlichen Befragung (Protokoll) in Wunstorf, 31. Januar 1940

"[Alois Schuchardt hat sich ...] Soweit ruhig verhalten, die
Nacht auch gut geschlafen. Bittet, ob er nicht auf eine
andere Abteilung könne. Er sei doch nicht geisteskrank.
Hier seien alle geisteskrank und mit denen könne er sich
nicht unterhalten, er sei doch eigentlich nur
körperbehindert. In Göttingen sei er auch doch nur in der
Nervenklinik und der Encephalitis-Station gewesen, aber
nie mit Geisteskranken zusammen. Gibt sich dann
zufrieden, als ihm erklärt wird, dass er auf dieser
Abteilung nur vorübergehend sei. Macht sonst soweit
keine Schwierigkeiten."

Von Wunstorf
Alois Schuchardt wurde am 24. April 1941 von Wunstorf in die „Heil- und Pflegeanstalt Kalmenhof" bei Idstein verlegt. Sie wird als „Zwischenanstalt" für die Tötungsanstalt Hadamar betrieben.

Idstein, Hadamar
Am 14. Mai 1941 brachte man Alois Schuchardt in einem Transport mit anderen Patienten von Idstein nach Hadamar. Alle Patienten dieser Transporte von Idstein nach Hadamar wurden in der Regel noch am Tag der Ankunft in Hadamar in die Gaskammer geschickt. Sie befand sich im Keller der Anstalt. Der 14. Mai 1941 ist somit als der Tag der Ermordung von Alois Schuchardt anzusehen.

Amtliche Falschangaben
Nach der Mordaktion (...). Der Standesbeamte in Hadamar trug als Todestag den 29. Mai 1941 ein. Grundlage dafür war eine schriftliche Anzeige des Leiters der Landes- und Pflegeanstalt Hadamar. Das Datum des Todes wurde zur Täuschung der Angehörigen willkürlich festgesetzt. Auch andere Angaben dienten der Vertuschung: Schuchardt sei "wohnhaft in Hadamar" liest man in der standesamtlichen Todesurkunde und er sei "in der Wohnung um 2.30 Uhr" gestorben. Als Todesursache wurde im Standesamt bei Alois Schuchardt „Grippe, Hirnhautentzündung" angegeben.

Beerdigung
Vater Georg Schuchardt hatte um die Übersendung der Urne mit den sterblichen Überresten des Sohnes gebeten. Zur weiteren Täuschung der Angehörigen wurde tatsächlich eine Urne übersendet, angeblich mit der Asche des Verstorbenen.

Informationsblatt des Stadtarchiv Hannover (PDF)

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