Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

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Die verlegten Stolpersteine für die Familie Reiser. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover
Die verlegten Stolpersteine für die Familie Reiser. Quelle: DIG Arbeitsgemeinschaft Hannover

Familie Reiser

Ben-Zion Reiser
Jg. 1903
Flucht nach Polen 1935
Todesort unbekannt

Erna Ernestina Reiser, geb. Hirschsprung
Jg. 1897
Flucht nach Polen 1935
ermordet in Belzec

Ruth Reiser
Jg. 1931
Flucht nach Polen 1935
ermordet in Belzec)

Humboldtstr. 18 (Calenberger Neustadt)

Hinweise:
• Gedenkort in Hannover mit den Namen der ermordeten Familienangehörigen Vater Ben-Zion, Mutter Erna Ernestina und Tochter Ruth Reiser: Mahnmal an der Oper, errichtet 1994, hier: Ergänzungstafel 1997.

Familie Reiser lebte in der Calenberger Neustadt.

Der Kürschner Ben-Zion Reiser, seine Frau Erna Ernestina und die Kinder David und Ruth wohnten im Haus des Viehhändlers Herzberg, Humboldtstr. 18. David Reiser lebt 2008 in Israel. Er erinnert daran, wie im Jahr 1935 ein Denunziant behauptete, sein Vater habe sich aus dem Fenster der Wohnung gelehnt und laut auf die Humboldtstraße gerufen: "Ihr deutschen Schweine!"

Ben-Zion Reiser wurde 1935 verhaftet. Die Mutter besorgte während seiner Haft Ausreisepapiere nach Palästina. Aus dem Gefängnis entlassen fragte Ben-Zion: „Was soll ein Kürschner wie ich mit seinen Pelzen in einem heißen Land wie Palästina?" Er wollte bleiben. Nach der Haft schob die Polizei die Familie nach Krakau (Polen) ab. David Reiser erlebte die Flucht aus Krakau, Verhaftung, erneute Flucht, Krankheit und Zwangsarbeit. Er wurde im Konzentrationslager Plaszow inhaftiert, wo der berüchtigte Kommandant Amon Göth herrschte. Nachdem er in Plaszow 1945 von der Roten Armee befreit worden war, suchte er seine Familie. Niemand hatte überlebt. David Reiser gehörte nach 1945 zu den drei Männern in Polen, die eineinhalb Jahre lang die Ausreisepapiere für viele 100 Juden fälschten; sie konnten damit über Frankreich mit dem Schiff nach Palästina kommen. 1947 ging er selbst nach Palästina.

VERBAND EHEMALIGER HANNOVERANER IN ISRAEL

David Reiser, Tel Aviv - Freitag, 7. November 2008

Sehr geehrte Damen und Herren!
Die Verlegung der "Stolpersteine" in Hannover hat mich tief berührt. Ich schätze sehr, dass die Stadt Hannover und Ihre Einwohner eine der ersten Städte in Deutschland war, die ein Denkmal für die jüdischen Nazi Opfer dicht neben das Opernhaus bauten. Meine Kindheit in Hannover war die glücklichste Periode in meinen Leben. Hier bin ich aufgewachsen, ging in den jüdischen Kindergarten und später in der Volksschule. In den Sommer-Schulferien fuhr ich mit anderen Mitschülern nach Norderney. Und einmal auf Einladung der Eltern unseres Putzmädchens, die bei uns ein Zimmer hatte, auf ihren Bauernhof. September 1931 bekam ich eine Schwester namens Ruth. Ich war ein glücklicher Junge, hatte viele Freunde, es fehlte mir nichts. Das war alles, bis Hitler Reichskanzler wurde. Mein Vater wurde verhaftet auf Anklage des Zwangs-Untermieters, der uns zugeteilt wurde (ein Nazi). Mein Vater soll vom Fenster unserer Wohnung im ersten Stockwerk geschrien haben: "Ihr deutschen Schweine". Eine unglaubliche Sache, einem Juden so etwas in Hitler-Regime zuzutrauen. Mein Vater war ungefähr 6 Monate in Untersuchungshaft, danach wurden wir d.h. meine Mutter, Vater und meine kleine Schwester Ruth, nach der polnischen Grenze abgeschoben. Meine Mutter, Vater und Schwester Ruth, wurden in der Massenvernichtung der Naziherrschaft ermordet. Ich kam in verschiedene Arbeits- und Konzentrationslager und bin Januar 1945 durch die russische Armee befreit worden. Ich suchte meine Angehörige - aber ohne Erfolg, Alle sind umgekommen. 1947 wanderte ich nach Israel aus und baute eine neue Familie auf. Seit ungefähr 5 Jahren bin ich Vorstand des Verbandes ehemaliger Hannoveraner und Umgebung in Israel.
[Gez. David Reiser]

Hinweise

• Vgl. Bericht über David Reiser und andere ehemalige Hannoveraner in Israel in: NP 31.05.2008, Beilage: Der 7. Tag
• Der Spielfilm „Schindlers Liste" von Steven Spielberg (1993) spielt in Plaszow; er zeigt die Brutalität des Lagerkommandanten Amon Göth, vor allem aber, wie der Industrielle Oskar Schindler (1908-1974) 1200 Juden in seinen Rüstungsbetrieben beschäftigte und damit vor dem Tod in Auschwitz rettete.
• David Reisers Erinnerungen sind filmisch dokumentiert; die Aufnahme liegt in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

Informationsblatt des Stadtarchiv Hannover (PDF)

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