Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
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Johann Trollmann. Foto und Rechte: Manuel Trollmann
Johann Trollmann. Foto und Rechte: Manuel Trollmann
„Temporäres Denkmal für Johann 'Rukeli' Trollmann“, Ballhofplatz Hannover. Foto Michael Pechel
„Temporäres Denkmal für Johann 'Rukeli' Trollmann“, Ballhofplatz Hannover. Foto Michael Pechel

Projekt "Rukeli" Trollmann

Projektveranstalter: Netzwerk Erinnerung und Zukunft in der Region Hannover in Kooperation mit der Landeshauptstadt Hannover - Fachbereich Bildung und Qualifizierung - Projekt Erinnerungskultur. Zeitraum: 12. Mai – 30. Juni 2011

Johann Trollmann - genannt Rukeli - wurde am 27. Dezember 1907 in Wilsche bei Gifhorn geboren. Er wuchs zusammen mit seinen acht Geschwistern unter ärmlichen Bedingungen in Hannovers Altstadt auf. Schon als Achtjähriger begann Rukeli mit dem Box-Training, zum sportlichen Zeitvertreib, aber auch zum Sattwerden. Die Boxvereine gaben nach den Kämpfen warme Mahlzeiten aus. Rukeli entwickelte sich schnell zu einem guten Boxer. Mit dem ihm eigenen tanzenden Boxstil erzielte er große sportliche Erfolge und wurde überregional als „Publikumsliebling“ gefeiert.

1933 wurde die Karriere des 25jährigen durch den Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft jäh beendet: Im Boxkampf um den Titel des Deutschen Meisters im Halbschwergewicht hatte Rukeli zwar klar nach Punkten gewonnen, der Titel wurde ihm jedoch wenige Tage später mit der vorgeschobenen Begründung von „ungenügenden Leistungen“, in Wahrheit aber wegen seiner „Zigeuner“-Herkunft aberkannt. In dem darauf folgenden Kampf gegen Gustav Eder inszenierte er eine Provokation gegen die NS-Rassenideologie, als er den Ring mit hell gefärbten Haaren und weiß gepudertem Gesicht bestieg. Da er nun auch nach der geforderten „deutschen Art“ mit den Füßen fest auf dem Boden stehend boxte, war er seinem Gegner unterlegen und verlor! Seine Karriere war damit abrupt beendet – er verlor seine Boxlizenz und damit seine Lebensgrundlage.

Als 31-jähriger wurde Johann Trollmann 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Im Oktober 1942 wurde er in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert, wo er schwerste Zwangsarbeit leisten musste. Von SS-Männern der Wachmannschaften wurde er als ehemaliger erfolgreicher Boxer gezielt gedemütigt. Johann Trollmann wurde im Alter von 36 Jahren im KZ Außenlager Wittenberge erschlagen.

Das Schicksal Johann Trollmanns ist eng mit der deutschen Geschichte, aber vor allem auch mit der Geschichte der Stadt Hannover verbunden. Seit 2004 erinnert der Johann-Trollmann-Weg an ihn; seit 2008/09 sind zwei Stolpersteine in der Nähe der ehemaligen Wohnung der Familie Trollmann für Rukeli und seinen jüngeren Bruder Heinrich, der in Auschwitz ermordet wurde, verlegt worden. Mit dem Aufstellen des „Temporären Denkmals für Johann „Rukeli“ Trollmann“ der Künstlerbewegung NURR (Alekos Hofstetter/Christian Steuer) und Florian Göpfert, realisiert in Zusammenarbeit mit Gunda Isik (workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V.), ließ das Projekt „Rukeli oder die Regeln des Respekts – Geschichte(n) der Sinti in Hannover erzählen“ die Erinnerung an Johann Trollmann in der Mitte der Stadtöffentlichkeit aufleben.

Das Netzwerk Erinnerung und Zukunft realisierte aus diesem Anlass zwischen 12. Mai und 30. Juni 2011 in Zusammenarbeit mit vielen Kooperationspartnern wie der Landeshauptstadt Hannover – Fachbereich Bildung und Qualifizierung - Projekt Erinnerungskultur, dem Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti e.V. und dem Historischen Museum Hannover, ein vielschichtiges Informations- und Begegnungsprogramm. In Zusammenarbeit mit dem Jungen Schauspiel Hannover und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde ein pädagogisches Programm für Schulklassen angeboten.

 

Kooperationspartner und Förderer

Amadeu Antonio Stiftung
Amadeu Antonio Stiftung
Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
Stiftung Gedenken und Frieden
Stiftung Gedenken und Frieden
Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Landeshauptstadt Hannover
Landeshauptstadt Hannover
Stiftung Gedenken und Frieden
Stiftung Gedenken und Frieden
Junges Schauspiel Hannover
Junges Schauspiel Hannover
Historisches Museum Hannover
Historisches Museum Hannover
Niedersächsischer Verband deutscher Sinti e.V.
Niedersächsischer Verband deutscher Sinti e.V.