Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
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„Temporäres Denkmal für Johann 'Rukeli' Trollmann“, Ballhofplatz Hannover. Foto JUlia Berlit-Jackstien
„Temporäres Denkmal für Johann 'Rukeli' Trollmann“, Ballhofplatz Hannover. Foto Julia Berlit-Jackstien
Informationstafeln hinter dem Denkmal für Johann 'Rukeli' Trollmann“. Foto JUlia Berlit-Jackstien
Informationstafeln hinter dem Denkmal für Johann 'Rukeli' Trollmann“. Foto Julia Berlit-Jackstien
Detail vom Denkmal für Johann 'Rukeli' Trollmann“. Foto JUlia Berlit-Jackstien
Detail vom Denkmal für Johann 'Rukeli' Trollmann“. Foto Julia Berlit-Jackstien
Douglas Laubinger während der Eröffnungsrede. Foto Reinhold Weismann-Kieser
Douglas Laubinger während der Eröffnungsrede. Foto Reinhold Weismann-Kieser
Manuel Trollmann während der Eröffnungsrede. Foto Reinhold Weismann-Kieser
Manuel Trollmann während der Eröffnungsrede. Foto Reinhold Weismann-Kieser
JUlia Berlit-Jackstien, Projekt Erinnerungskultur der Stadt Hannover. Foto h1
Julia Berlit-Jackstien, Projekt Erinnerungskultur der Stadt Hannover. Foto h1
Kathrin Kühling, Netzwerk Erinnerung und Zukunft in der Region Hannover. Foto JUlia Berlit-Jackstien
Kathrin Kühling, Netzwerk Erinnerung und Zukunft in der Region Hannover. Foto Julia Berlit-Jackstien

Denkmal

Feierliche Übergabe der Skulptur „9841 – Temporäres Denkmal für Johann ‚Rukeli’ Trollmann“ an die Landeshauptstadt Hannover am 12. Mai 2011

Nach vielen Monaten der intensiven Vorbereitung war es am 12. Mai 2011 endlich soweit: Die Skulptur „9841 – Temporäres Denkmal für Johann ‚Rukeli’ Trollmann“ der Künstler-Bewegung NURR (Alekos Hofstetter/Christian Steuer) und Florian Göpfert wurde um 12 Uhr Mittags im Rahmen einer öffentlichen Feier der Landeshauptstadt Hannover übergeben. Oberbürgermeister Stephan Weil hat es stellvertretend für die hannoversche Stadtgesellschaft entgegengenommen.

Als besonderen Ehrengast begrüßte er Rita Vowe, die Tochter von Johann „Rukeli“ Trollmann, die erst im Februar 2011 von der Familie Trollmann ausfindig gemacht und über die Bemühungen zur Erinnerung an ihren berühmten Vater informiert wurde. „Ich bin überwältigt von dem, was hier in Hannover für meinen Vater gemacht wird. Ich freue mich so sehr, dass ich dabei sein darf.“

In seiner Rede erinnerte der Oberbürgermeister an das Schicksal von Johann „Rukeli“ Trollmann, der 1933 Deutscher Meister im Halbschwergewicht wurde. Doch aufgrund seiner sinti-deutschen Herkunft wurde ihm nur wenige Tage noch dem erfolgreichen Siegeskampf der Titel wieder aberkannt. Für Trollmann brach eine Welt zusammen, man nahm ihm seine Lebensgrundlage und damit den Boden unter seinen Füßen.

Das Boxdenkmal soll genau dieses zum Ausdruck bringen. Der schiefe Boden symbolisiert die Welt Johann „Rukeli“ Trollmanns, die in eine enorme Schieflage geraten war. In dem Ring, der ihm all die Jahre Sicherheit, Schutz und Halt gab, konnte er auf einmal nicht mehr „gerade“ stehen. Für „Rukelis“ Großneffen, Manuel Trollmann, war dieses Projekt eine Herzensangelegenheit. Zusammen mit der Landeshauptstadt, dem Netzwerk Erinnerung und Zukunft und dem Niedersächsischen Verband Deutscher Sinti e.V. hat er es geschafft die Erinnerung an Johann Trollmann wieder in seine Heimatstadt Hannover zu bringen. „Das ist für mich die bedeutendste Sache, die ich bis jetzt erreicht habe. Ich habe Ende 2003, nach der Übergabe des Meisterschaftsgürtels in Berlin, beschlossen mich für meinen Großonkel einzusetzen, um ihn bekannt zu machen, damit er zu mindest einen Teil seiner Ehre zurück bekommt, die ihm die Nazis damals genommen haben. Es ist eine tolle Sache zu sehen, was hier jetzt passiert ist.“

Auch Bezirksbürgermeister Michael Sandow würdigt die Leistungen Trollmanns und fordert dazu auf, die Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus stets aufrecht zu erhalten.

Für Douglas Laubinger, Vorsitzender des Niedersächsischen Verbandes Deutscher Sinti e.V., ist dieses Projekt ein wichtiger Startschuss für weitere zukünftige Projekte. In einer ergreifenden Rede erinnert er, dass die Ausgrenzung und Diskriminierung der Sinti auch nach 1945 kein Ende hatte. Doch für ihn ist nicht nur die Erinnerung an die Vergangenheit von Bedeutung, sondern vor allem der Blick nach vorn. Für ihn ist es wichtig, dass alle „diese Veranstaltung zu einem Ausgangspunkt nehmen, als Anker, um uns weiter in Zukunft mit den wirklich wichtigen Fragen zu beschäftigen: Wie können wir die Zukunft unserer Kinder gemeinsam gut gestalten!“

Im Anschluss stellte Julia Berlit (Landeshauptstadt Hannover – Projekt Erinnerungskultur) das Veranstaltungsprogramm im Mai vor und bedankte sich noch einmal ausführlich bei den vielen engagierten Helfern, die das Zustandekommen dieses Projektes erst möglich gemacht hatten. Kathrin Kühling (Koordinatorin Netzwerk Erinnerung und Zukunft) erläuterte im Anschluss das Programm für den Juni und dankte ebenfalls allen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz für dieses Projekt.

Für die musikalische Begleitung sorgte ein Teil des Ensembles der Theaterprojektgruppe „Mer Zikrales“, die in Zusammenarbeit mit dem Jungen Schauspiel Hannover das Theaterstück „Trollmanns Kampf“ entwickelt und auf die Bühne gebracht haben. Diese Jugendlichen Sinti haben damit nicht nur die Vergangenheit ihrer Familien, sondern auch ihre eigene Gegenwart und Zukunft auf die Bühne gebracht.

Diesen Ansatz möchte auch das Projekt verfolgen und eine Brücke aus der Vergangenheit in die Zukunft schlagen und gemeinsam mit den Sinti für eine Zukunft arbeiten, in der sich alle mit Respekt und Anerkennung begegnen können.

Filmdokumentation im Lokalfernsehen h1

Pressebericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung

Dokumentation durch workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V.