Projektarchiv

Familiärer Kontext – Zeit in Münster bis 19371

Um 1921: Liselotte Rosenbaum, Gisela Möllenhoff u.a., Jüdische Familien in Münster 1918-1945. Biographisches Lexikon. Münster 1995, S. 355

Lieselotte „Lilo“ Rosenbaum wurde am 20. Dezember 1909 in Förste bei Osterode im Harz geboren. Sie war die Ältere von insgesamt zwei Kindern des Ehepaares Julius und Klara Rosenbaum, geb. Hanauer. Ihr jüngerer Bruder Kurt wurde geboren, als Lilo etwa 3 ½ Jahre alt war.
Ca. ein Jahr nach der Geburt des Sohnes starb Julius und seine Frau musste sich und die beiden Kinder mit einem kleinen Kaffeehandel allein durchbringen.
Beide Kinder genossen eine gute schulische Ausbildung, Lilo ging auf die Handelsschule und wurde Sekretärin, Kurt machte 1932 Abitur und anschließend eine Kaufmännische Ausbildung im Textilhaus Herzt in Münster.
Ein Jahr später zogen auch Mutter und später seine Schwester nach Münster und 1937 folgten auch zwei Tanten, die ihr Hutgeschäft im Harz aufgeben mussten.

Auch Lilo fand eine Anstellung in der Buchhaltung im Textilhaus Hertz, welches aufgrund seines guten Rufes von den Auswirkungen des Boykottes jüdischer Geschäfte weitestgehend verschont blieb. Doch nicht lang: 1937 mussten die jüdischen Inhaber auf Druck von außen das Geschäft aufgeben, welches anschließend „arisiert“ wurde und alle jüdischen Angestellten ihre Stellung verloren. Auch Kurt gehörte zu denjenigen, welche mehr oder weniger „freiwillig“ ihren Beruf aufgaben. Er emigrierte mit Hilfe eines holländischen beamten Ende 1936 in die Niederlande und von dort aus im Januar 1937 nach Südafrika, wo er bis heute lebt.
Dort heiratete er die Münsteranerin Hilde Steinberg.
Die Mutter folgte kurze Zeit später ihrem Sohn, jedoch als einzige der Familie, da die Einreise weiterer Verwandten seitens der Südafrikanischen Regierung verboten war.

Lilo und ihre Tanten blieben demnach in Deutschland zurück und mussten nun mit den immer stärker werdenden antisemitischen Bedingungen in Deutschland zurechtkommen.



Quelle: Gisela Möllenhoff, „Versucht bitte zu erfahren, was aus mir geworden ist.“ Der Brief von Lieselotte Rosenbaum aus dem Warschauer Ghetto, in: Arno Herrig/ Karl Teppe/ Andreas Determann (Hg.), Verdrängung und Vernichtung der Juden in Westfalen, Münster 1994, S. 156-168, hier S. 156-158.


<-- Zurück | Weiter -->