Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
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Der Fischerhof

Der Sonderzug Da 6, mit dem Lore Rosenbaum und ihr Verlobter nach Polen gebracht werden sollten, traf mit sechs Stunden Verspätung am Fischerhof ein. Die schmutzigen Güterwagen und die dazugehörige Lokomotive waren alt und schon lange ausrangiert, was immer wieder zu technischen Pannen und Verzögerungen führte.

Derweil warteten sie im strömenden Regen und frierend an den Gleisen des Bahnhofs in Hannover-Linden. Dieser war zur Demütigung der Deportierten aufgrund seines abwertenden Umfeldes ausgewählt worden.

Während der Wartezeit waren die Juden den Misshandlungen und Schikanen der Deportierer ausgesetzt, die sich nicht selten zu Gewalttaten hinreißen ließen. Immer wieder schlugen oder traten sie, meist grundlos, auf Umstehende ein.

Als der Zug endlich eintraf, wurden sie in die schäbigen Waggons gestoßen. Einige davon waren bereits überfüllt, doch die Aufseher drängten immer mehr Menschen hinein, traten teilweise in die offenen Türen, um Platz zu schaffen.

Ausgestattet mit zu wenig Nahrung, denn alle mitgebrachten Nahrungsmittel waren ihnen abgenommen worden, und eingepfercht in den dunklen, stickigen Waggons begann schließlich ihre Reise gen Osten.

Foto Fischerhof: Historisches Museum Hannover

Vgl. dazu : Lichtenstein, Heiner: Mit der Reichsbahn in den Tod. Massentransporte in den Holocaust 1941 bis 1945. Köln 1985

Dazu: Arndt, Heiko: Sonderzug nach Warschau; unveröffentlichte Seminararbeit, Hannover 1999; darin der Bezug auf die im NHStAH gelagerte Niederschrift NHStAH 721 Hann. Acc,61/81 Nr. 5 Bd.1 Bl. 1 u.a.

 

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