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Der Transport und das Leben der Lilo Rosenbaum im Warschauer Ghetto

Als sich wenige Tage nach ihrer Ankunft im Ghetto herumsprach, dass junge arbeitsfähige Männer in das Lager Treblinka deportiert werden sollten, beschlossen die beiden Verlobten vor der wahrscheinlichen Trennung noch zu heiraten. Lilo schrieb in ihrem Brief: „Wir beschlossen, trotzdem wir nicht genau wussten, ob Martin zu diesen 160 Männern gehören würde, uns trauen zu lassen und da eine gesetzliche standesamtliche Trauung nicht mehr möglich war, doch wenigstens eine kirchliche. (…) Abends um 10 Uhr wurden wir dann von Herrn Kantor Spier aus Hildesheim, einem Teilnehmer unseres Transportes, der mich schon von der Reichsvereinigung her kannte, getraut. Es war so primitiv, wie nur möglich“.

Sie bekam von ihrem Martin, der mit 159 anderen Männern zum Arbeiten nach Treblinka gebracht worden war, nie wieder ein Lebenszeichen.

Im Ghetto erhielt die gesundheitlich bereits stark angeschlagene Frau am 16. April eine Stellung in der Buchhaltung eines deutschen Betriebes für Fellverarbeitung. Es ging ihr jedoch gesundheitlich immer schlechter. Sie erkrankte noch schwerer und verbrachte ihre letzten Tage unter großen Schmerzen und mit hohem Fieber und ohne jegliche ärztliche Versorgung.

Am 14. August wurde Lilo schon einmal auf den sogenannten Umschlagplatz gebracht. Da sie jedoch in dem erwähnten Fellbetrieb angestellt war und noch weitgehend arbeitsfähig war, wurde sie zunächst weiterhin zum Arbeiten dort belassen.

Ihr weiteres Schicksal nach dem endgültigen Abtransport nach Trawniki ist unbekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass Lilo Rosenbaum, die inzwischen ein mehr als menschenunwürdiges Leben führen musste, im Zuge der Aktion „Erntefest“ am 3. oder 4. November 1943 umkam.

 

 

Alle Angaben entsprechend des Briefes der Lilo Rosenbaum; in : Herzig, A., u.a. (Hg.), Verdrängung und Vernichtung der Juden in Westafeln, Münster 1994

www.schoah.org/ghetto/warschau-2.htm

Das Dorf Trawniki liegt etwa 40 km östlich von Lublin. Im Herbst 1941 wurden dort auf dem Gelände einer alten Zuckerfabrik ein Zwangsarbeitslager und ein SS-Ausbildungslager für "Freiwillige" aus der ehemaligen Sowjetunion und den Baltischen Staaten errichtet. „Am 3. November 1943 liquidierte die SS das Arbeitslager Trawniki. 10.000 Juden wurden aus dem Lager gebracht und in vorher ausgehobenen Gruben erschossen.“ Vgl.: www.deathcamps.org/occupation/trawniki_de.html

„Aus Furcht vor weiteren Häftlingsaufständen befahl Himmler die Erschießung sämtlicher Juden in den Lagern Majdanek, Poniatowa und Trawniki im Distrikt Lublin. Innerhalb weniger Tage wurden im November 1943 im Rahmen der "Aktion Erntefest" rund 43.000 Juden ermordet.“ www.dhm.de/lemo/html/wk2/holocaust/reinhardt/