Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
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Veränderung in Schule und Ausbildung nach 1933

Einleitung
Die folgenden Abschnitte sollen die Veränderungen im Schullalltag der israelitischen Gartenbauschule Ahlem aufzeigen und erläutern. So wird die Bedeutung der Schule für jüdische Jugendliche dargestellt.

Berufvorbereitungsjahr
Die israelitische Gartenbauschule in Ahlem war in der Ausbildung von jüdischen Jugendlichen zu versierten Führungskräften in der Landwirtschaft und dem Gartenbau tätig.

Mit dem sich immer weiter verbreitenden Antisemitismus in Deutschland wurde dann aber das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) in den dreißiger Jahren eingeführt.

Zielsetzung war die schnelle Ausbildung der Jugendlichen. Sie sollten auf ein Leben im Ausland vorbereitet werden, um bei einer eventuellen Flucht aus Deutschland für das Leben gewappnet zu sein. Vorher war das Ziel der Schule die Integration der Jugendlichen in Deutschland, ein Ziel, das sich jetzt aus politischen Gründen nicht mehr durchführen ließ.

Schutzraum für Jugendliche
Die Schule stellte damals einen Rückzugspunkt für jüdische Jugendliche dar, indem ihnen eine heile Welt unabhängig von den Geschehnissen im dritten Reich vermittelt wurde. So konnten die Jugendlichen trotz der Ereignisse in Deutschland ein für die damaligen Umstände gutes Leben haben. Man versuchte, einen möglichst normalen Alltag zu gestalten, es wurden Feste gefeiert  und Klassenarbeiten geschrieben. Die Schüler waren im Bereich der Schule vor den damals  üblichen Anfeindungen geschützt und konnten sich dort  auch frei bewegen. Später wurde auch den Mädchen das volle Schulprogramm ermöglicht.

Die Nationalsozialisten duldeten die israelitische Gartenbauschule bis 1941 aus zwei Gründen. Zum einen, weil die jüdischen Jugendlichen über die Vermittlungsarbeit der Schule aus Deutschland auswanderten, zum anderen bestand die Schule relativ lange, da sie zur damaligen Zeit abgelegen von weiterer Bebauung lag und man so die gewollte Trennung von Juden und Nichtjuden leicht durchführen konnte.

Quelle: Ahlem. Die Geschichte einer jüdischen Gartenbauschule, hrsg. von. Hans-Dieter Schmid, Bremen 2008, S.141-163

Hilmar Allhusen, Arndt Steffens FOS 08/09

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