Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
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1001 Menschen deportiert in den Tod

Am 15. Dezember 1941, fand der erste Transport jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Hannover nach Lettland statt. 1001 Frauen, Männer und Kinder wurden damals vom  Bahnhof Fischerhof in das Ghetto Riga deportiert. Nur wenige von ihnen überlebten.

Um in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich Aufsehen zu erregen und evtl. Mitleid der Bevölkerung zu vermeiden, verlegte die SS das Besteigen der Güterzüge auf den abgelegenen Bahnhof Fischerhof in Linden.
Nach wochenlangem qualvollem Aufenthalt in den Judenhäusern und provisorischen Lagern wurden 1001 hannoversche Männer, Frauen und Kinder in die Waggons der Reichsbahn gepreßt.
Straßenzug des jüdischen Getthos in Riga. Fotografie von Herbert Donath aus dem Jahr 1942
Gedenkstätte im Wald vom Bikerniki bei Riga mit den Massengräbern der ermordeten europäischen Juden
Riga. Hinweis und Erinnerung an die ermordeten Juden aus Hannover. Gedenkstätte im Wald Bikerniki
"Für alle Verfolgten des Nationalsozialismus" – Gedenkstein am Bahnhof Fischerhof.

 

In den Jahren von 1941 - 45 organisierte die Gestapoleitstelle Hannover acht Sammeltransporte von Juden. Das Einzugsgebiet, die Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim, reichte von Diepholz im Nordwesten bis nach Göttingen und in den Harz hinein. Für die ersten sieben Transporte - bis Anfang 1944 - diente die Israelitische Gartenbauschule in Ahlem als Sammellager, wo die Juden zusammengeführt wurden. Die Verhältnisse dort engten sehr ein, teils lagerten die Menschen in einer Turnhalle auf strohbedecktem Boden.

In Ahlem kontrollierte die Gestapo penibel das Gepäck, ob es genauen Anordnungen entspreche; entwürdigend kontrollierte sie nackte Menschen selbst noch in ihren Körperhöhlen, ob nicht etwa Wertsachen versteckt wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Juden oft schon längst verdrïängt aus dem Erwerbsleben, von der Fürsorge abhängig, verarmt auch durch die Raubzüge diverser Behörden, durch Zwangsabgaben und durch das Zehren von der Substanz. Das wenige, was sie in Ahlem noch bei sich hatten, wurde ihnen zum Teil nun auch noch genommen - meist "korrekt" nach den Vorschriften, hier und da willkürlich.

 

Von Ahlem aus ging es in Kraftfahrzeugen weiter nach Linden, zum Fischerhof. Von hier fuhr erstmals am 15. Dezember 1941 ein Deportationszug mit rund 1.000 Menschen aus Hannover nach Riga. Zwei große Transporte folgten, einer am 31. März 1942 nach Warschau, einer am 23. Juli 1942 nach Theresienstadt. In das letztgenannte Ghetto fuhren später auch kleinere Gruppen, eine kam direkt nach Auschwitz. Oftmals ging es über die vorläufigen Zielorte weiter in andere Lager und Ghettos.