Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

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Bücherverbrennung in der Hochschulstadt Hannover

Am 30. Januar 1933 hatte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler einer konservativ-nationalsozialistischen Koalitionsregierung ernannt. In den folgenden Monaten nutzten Hitler und die NSDAP die Schwäche ihrer bürgerlichen und monarchistischen Koalitionspartner, um ihre Macht brutal auszuweiten. Im Laufe des Jahres waren die Parteien, die die Weimarer Demokratie begründet hatten, verboten. Nach den Märzwahlen 1933 und nach der Einrichtung der ersten Konzentrationslager schien den neuen Machthabern die Zeit gekommen für einen breit angelegten Schlag gegen die Freiheit des Geistes.

Die „Deutsche Studentenschaft“ (DSt) vereint mit dem „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ (NSDStB) trieben die „Aktion“ Bücherverbrennung voran. Erst spät schloss sich das neu geschaffene Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (Goebbels) an. Der „Höhepunkt“ war am 10. Mai 1933: In Berlin und anderen deutschen Hochschulstädten wurden öffentlich „undeutsche“ Schriften, d. h. Werke marxistischer, jüdischer, liberaler und pazifistischer Literaten und Dichter verbrannt.

Die Bücherverbrennung fand ebenfalls in der Hochschulstadt Hannover statt: Die Vorbereitungen in Hannover traf ein dreiköpfiger „Kampfausschuss (…) zur Bekämpfung von Schmutz und Schund“. Als Vertreter der NSDAP gehörte ihm der Dozent Viktor C. Habicht von der Technischen Hochschule an. Der Vorsitzende Hansen vertrat die Studentenschaft der Tierärztlichen Hochschule, er war gleichzeitig Führer des NSDStB an der TiHo. Der Privatdozent Dr. Doenecke von der Tierärztlichen Hochschule war als Vertreter des Kampfbundes für Deutsche Kultur im Kampfausschuss. Er verbreitete die antisemitischen „12 Thesen wider den undeutschen Geist“. Sogenannte „Stoßtrupps“ durchsuchten vom 26. April bis 10. Mai 1933 in „Sammelaktionen“ private und öffentliche Buchbestände nach den missliebigen Büchern und brachten ihre Beute zu Sammelstellen. Die Bücher wurden nach ihrem Weg durch die Stadt am Bismarckdenkmal verbrannt. Zu den aus Hannover stammenden verfolgten Künstlern gehörten unter anderem auch Theodor Lessing und Karl Jakob Hirsch.

Am 10. Mai 2013 erinnerte die Stadt an die verfolgten Schriftstellerinnen und Schriftsteller und die verbrannten Bücher mit dem "Weg der verbrannten Bücher" durch Hannover, der um 17 Uhr im Universitätshauptgebäude begann und zu fünf verschiedenen Stationen in Hannover führte.