Netzwerk Erinnerung+Zukunft in der Region Hannover

Förderverein Gedenkstätte Ahlem e.V.
Heisterbergallee 10
30453 Hannover-Ahlem
Telefon: 0511 47 39 76 98
E-Mail: fv.ged.ahlem@t-online.de

Verfolgt: Bekannte Namen

Hannah Arendt


Johanna Arendt wurde 1906 als Tochter säkularer jüdischer Eltern in Linden, Lindener Marktplatz 2, bei Hannover geboren. Ihre Vorfahren stammten aus Königsberg, wohin ihre Eltern zurückkehrten, als sie kaum drei Jahre alt war. Bereits im Alter von 14 Jahren las sie Kants Kritik der reinen Vernunft und Jaspers’ Psychologie der Weltanschauungen. 1924 nahm sie ihr Studium an der Universität Marburg auf und hörte ein Jahr lang Philosophie bei Martin Heidegger und Nicolai Hartmann.

Ab 1933 war sie für die Zionistische Vereinigung für Deutschland tätig, um die beginnende Judenverfolgung zu dokumentieren. Ihre Wohnung diente Flüchtlingen als Zwischenstation. Im Juli 1933 wurde sie verhaftet und kam für acht Tage in Gestapo-Haft. Sie emigrierte nach Frankreich, wurde als „feindliche Ausländerin“ diffamiert. Es gelang ihr die Flucht und die Ausreise in die USA.1961 nahm Arendt von April bis Juni als Reporterin der Zeitschrift The New Yorker am Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem teil. Eines ihrer bekanntesten und damals bis heute sehr umstrittenen Bücher ist "Eichmann in Jerusalem" mit dem Untertitel "Ein Bericht von der Banalität des Bösen". Hannah Arendt starb 1975.

Theodor Lessing,

geboren am 8. Februar 1872 in Hannover. Nachdem er das Ratsgymnasium Hannover vorzeitig hatte verlassen müssen, konnte er nur mit Schwierigkeiten 1892 am Städtischen Gymnasium Hameln sein Abitur ablegen. 1907 wurde er an der Technischen Hochschule Hannover Privatdozent für Philosophie.

1925 berichtete er kritische über den Haarmann-Prozess und wurde von der Gerichtsverhandlung ausgeschlossen.

Im selben Jahre veröffentlichte Lessing eine Charakterstudie über Paul Hindenburg. Dieser Artikel brachte ihm die hasserfüllte Gegnerschaft aus deutschnationalen und völkischen Kreisen ein. Studenten gründeten einen Kampfausschuß gegen Lessing, es wurde zum Boykott seiner Vorlesungen aufgerufen und die Entfernung von der Universität gefordert, Studenten störten gewalttätig seine Vorlesungen.  Am 1. März floh Lessing mit seiner Frau Ada in die Tschechoslowakei und ließ sich dort im Kurbad Marienbad. Von dort setzte seine publizistische Tätigkeit fort.

Am 30. August 1933 schossen nationalsozialistischen Attentäter auf Theodor Lessing. Er erlag am 31. August seinen Verletzungen.

 

Kurt Schuhmacher

 

geboren 13. Oktober 1895 in Culm, Westpreussen. Als Soldat wurde Schumacher bereits am 2. Dezember 1914 bei Bielawy westlich von Łowicz in Polen schwer verwundet, so dass ihm der rechte Arm amputiert werden musste.  Er trat  am 8. Januar 1918, also noch zu Zeiten des Kaiserreiches und Monate vor der Novemberrevolution, in die SPD ein. Er beendete sein Studium 1919 mit dem juristischen Staatsexamen in Berlin.

Kurt Schuhmacher blieb auch dem nach der Machtergreifung Adolf Hitlers unter erschwerten Bedingungen seit 1930 Mitglied des gewählten Reichstag.  Schuhmacher gehörte zu den wenigen Parlamentarier, die mit an der Rede Otto Wels' arbeiteten, mit der dieser das Nein der SPD zum Ermächtigungsgesetz formulierte.

Am 6. Juli 1933 wurde Schumacher in Berlin verhaftet und  über einen Zeitraum von neun Jahren, neun Monaten und neun Tagen in verschiedene Konzentrationslagern gesperrt. Vom 5. bis 7. Oktober 1945 wiederbegründete er die SPD in Wennigsen am Deister. Bei der Bundestagswahl 1949 wurde Kurt Schumacher Abgeordneter des Wahlkreises Hannover-Süd. Schumacher profilierte sich im Bundestag als scharfer Gegner der Politik der Westeinbindung von Konrad Adenauer. Er bezeichnete Adenauer als den „Bundeskanzler der Alliierten“. Kurt Schuhmacher starb am 20. August 1952 in Bonn.

 

 

Kurt Schwitters

 

geboren am 20. Juni 1887 in Hannover, machte er im Jahr 1908 das Abitur am  Realgymnasium in Hannover  und studierte für kurze Zeit an der Kunstgewerbeschule Hannover.

Mit Merz bezeichnete Schwitters seine Technik, aus Zeitungsausschnitten, Reklame und Abfall Collagen zu erstellen. Als Gegenprojekt zu dem eher destruktiven Dadaismus sollten diese seit 1919 entstandenen Bilder und Skulpturen für einen Wiederaufbau stehen, was Schwitters in die Nähe des Konstruktivismus rückt.

Der Begriff „Merz“ entstand bei einer Collage aus einer Anzeige der „Kommerz und Privatbank“ und hat Assoziationen zu „Kommerz“, „ausmerzen“, „Scherz“, „Nerz“, „Herz“ und dem Monat März, der für den Frühlingsanfang steht.

Er gab unregelmäßig die Zeitschrift Merz heraus und arbeitete als Werbe- und Gebrauchsgrafiker unter anderem für die Stadt Hannover und den Schreibwarenhersteller Pelikan. 1928 initiierte Schwitters die Künstlervereinigung "die abstrakten hannover" in seiner Wohnung in der Waldhausenstraße 5. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfemt, emigrierte er im Januar 1937 nach Norwegen, 1940 floh Schwitters nach England und verstarb am 8. Januar 1948 in Kendal in der Grafschaft Westmorland.